Konzept klimaneutrale Kommunalverwaltung
Das Land Baden-Württemberg strebt an, bis zum Jahr 2040 „klimaneutral“ zu werden. Die Baindter Gemeindeverwaltung möchte dieses vom Land vorgegebene Ziel bestmöglich unterstützen und damit einen aktiven Beitrag zur Zielerreichung leisten. Bereits vor knapp zehn Jahren wurde seitens der Verwaltung eine unterstützende Erklärung zum Klimaschutzpakt des Landes Baden-Württemberg abgegeben, in der die Gemeinde Baindt sich formal das Ziel einer „klimaneutralen“ Verwaltung gesetzt hat.
In der täglichen Arbeit für die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Baindt, werden in der Verwaltung in verschiedenen Bereichen Treibhausgasemissionen verursacht. Angefangen bei der Versorgung der kommunalen Liegenschaften mit Strom und Wärme, über die Bereiche Trink- und Abwasser, den kommunalen Fuhrpark bis hin zur Straßenbeleuchtung im Ort. Überall dort wo letztlich Energie benötigt wird, entstehen daraus resultierend auf direktem oder indirektem Wege auch Emissionen klimaschädlicher Treibhausgase.
Die Gemeindeverwaltung in Baindt ist sich dieser Tatsache vollends bewusst und strebt deshalb an, den Treibhausgasausstoß der Verwaltung bis 2040 sukzessive zu verringern. Um den Worten auch Taten folgen zu lassen, hat die Gemeinde Baindt bereits Ende 2021, als eine der ersten Kommunen in Baden-Württemberg, gemeinsam mit den Nachbarkommunen Baienfurt und Berg eine Personalstelle zur „klimaneutralen“ Kommunalverwaltung geschaffen.
Das Konzept „Der Weg zu einer klimaneutralen Kommunalverwaltung in Baindt bis zum Jahr 2040“
Für die Gemeinde Baindt ist der Bereich Klimaschutz in der Verwaltung sehr wichtig. Daher wurde durch die Verwaltung ein entsprechendes Konzept ausgearbeitet, mit welchen Maßnahmen sich die Energieverbräuche der Verwaltung zukünftig verringern lassen. Zudem gilt es die in Zukunft weiterhin benötigte Energie, zu möglichst großen Teilen aus regenerativen Quellen bereitzustellen, wozu das Konzept mögliche Wege aufzeigt, wie dies in der Praxis gelingen kann.
Das Konzept: Der Weg zu einer „klimaneutralen“ Kommunalverwaltung in Baindt bis zum Jahr 2040 - gilt seit dem 01.01.2025 und soll künftig als Praxishilfe dienen, wie die Verwaltung der Gemeinde Baindt ihre Energieverbräuche sowie die direkt oder indirekt hieraus resultierenden Treibhausgasemissionen, merklich verringern könnte. Die Gemeinde Baindt gehört damit zu Vorreitern bei den kleineren Kommunen in Baden-Württemberg, welche ein eigenes Konzept erstellt haben, mit dem das für alle Kommunen verpflichtende Ziel einer „Klimaneutralität“ in der Verwaltung in konkrete Maßnahmenvorschläge überführt wird.
Das vollständige Konzept: Der Weg zu einer „klimaneutralen“ Kommunalverwaltung in Baindt bis zum Jahr 2040 kann hier (PDF-Dokument, 1,01 MB, 12.06.2025) heruntergeladen und eingesehen werden.
Die Anforderungen an die zu erfassenden Bereiche sowie bezüglich der Bilanzierung im Rahmen eines solchen Konzepts, sind im „Leitfaden Klimaneutrale Kommunalverwaltung Baden-Württemberg“ des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg, verbindlich und einheitlich für alle Kommunen in Baden-Württemberg geregelt. Zu erfassen sind demnach die Energieverbräuche von kommunalen Liegenschaften, der Energieverbrauch der kommunalen Straßenbeleuchtung, die Energieverbräuche, welche im Zusammenhang mit der Trinkwasserversorgung und der Abwasseraufbereitung entstehen sowie die Energieverbräuche des kommunalen Fuhrparks und der Dienstreisen.
Die Energie- und Treibhausbilanz der Baindter Gemeindeverwaltung
Im Folgenden werden kurz die Energieverbräuche des Jahres 2021 dargestellt. Entsprechend den Vorgaben des Leitfadens sind bei den kommunalen Liegenschaften alle kommunalen Gebäude außer vermietete Gebäude und soziale Wohnbauten zu erfassen, weshalb in Baindt derzeit die Energieverbräuche von zwölf kommunalen Liegenschaften zu berücksichtigen sind.
Energieverbräuche der Gemeindeverwaltung für 2021
- 176.423 kWh Strom für Gebäude (elektronische Geräte, Licht, IT, Gebäudetechnik...)
- 89.996 kWh Erdgas und schätzungsweise 151.200 kWh Trockenholz
- 963.701 kWh Nahwärme
- 2.200 kWh Heizstrom
- 50.007 kWh Strom für die Straßenbeleuchtung im gesamten Gemeindegebiet
- 8.230 kWh Strom für die lokale Trinkwasserversorgung
- 242.891 kWh Strom im Abwasserbereich (inklusive dem Gemeindeanteil am Strom des Abwasserzweckverbands Mittleres Schussental)
- ca. 9.600 Liter Diesel für den Betrieb der 17 Fahrzeuge des kommunalen Fuhrparks (Verwaltung, Bauhof, Feuerwehr, Trink- und Abwasserzweckverband)
- 2.225 zurückgelegte Kilometer mit Privat-PKWs im Rahmen von Dienstreisen
Der aus diesen Energiemengen resultierende Treibhausgasausstoß wird nach den international gültigen Standards des Greenhouse Gas Protocol bilanziert. Daraus ergibt sich für die Verwaltung der Gemeinde Baindt eine Gesamtemission von 425 Tonnen Treibhausgasen im Jahr 2021.
Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien
Bisher gibt es in Baindt eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Rathauses. Zudem ist seit 2025 eine PV-Anlage auf dem Dach des blauen Gebäudes der Klosterwiesenschule in Betrieb. Eine weitere Anlage auf dem Dach der Sporthalle soll bis Ende 2025 umgesetzt werden. Auch beim Bauhof / Feuerwehrhaus ist im Zuge der energetischen Sanierung für die kommenden Jahre die Errichtung einer weiteren PV-Anlage vorgesehen.
Maßnahmen zur Erreichung einer „klimaneutralen“ Verwaltung
Daten aus der Vergangenheit sind zwar interessant anzuschauen, aber für die Zukunft doch relativ unwichtig. Entscheidend ist viel mehr, mit welchen Mitteln die Energieverbräuche der Verwaltung zukünftig erheblich verringert werden können. Daneben gilt es künftig, die weiterhin benötigte Energie zu möglichst großen Teilen aus regenerativen Quellen wie Sonnenenergie, Erdwärme, Wärme aus der Umgebungsluft, Wärme aus Grundwasser, Holz, vorhandener Abwärme und weiteren Quellen, bereitzustellen.
Der Großteil des vorliegenden Konzepts widmet sich in Form von Maßnahmensteckbriefen denkbaren Maßnahmen, mit denen sich innerhalb der fünf Kernbereiche Energie einsparen lässt und Treibhausgase vermeiden lassen. Besonders wichtige Maßnahmen und angedachte Maßnahmen der kommenden Jahre werden dort zudem separat dargestellt. Entscheidend ist nämlich stets die praktische Umsetzung von klimaschutzrelevanten Maßnahmen und nicht die „graue“ Theorie.
Zu den besonders wichtigen Maßnahmen zählen
- energetische Sanierungen von Gebäuden mit Fokus auf Maßnahmen zur Verbesserung der Wärmedämmung
- Umrüstung der Innenbeleuchtung aller kommunalen Gebäude auf LED
- Umstellung vom Energiemix des kommunalen Nahwärmenetzes von fossilem Erdgas auf Mix mit hohem Anteil regenerativer Energiequellen
- Errichtung neuer Photovoltaikanlagen auf kommunalen Dächern
- Sensibilisierung von Nutzerinnen und Nutzern kommunaler Gebäude zu einem bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit Energie
Meilensteine in Richtung einer „klimaneutralen“ Verwaltung
2021
- Schaffung einer vom Land Baden-Württemberg geförderten Personalstelle zur „klimaneutralen“ Kommunalverwaltung gemeinsam mit den Nachbargemeinden Baienfurt und Berg
2022/2023
- Einführung kommunales Energiemanagement
In den Jahren 2022/2023 wurde in Baindt ein Energiemanagement mittels entsprechender Software eingeführt. Diese Software wird seither zum regelmäßigen Verbrauchsmonitoring verwendet. Durch die monatliche Kontrolle der in der Software erfassten Energieverbräuche, lassen sich Auffälligkeiten bei den Energieverbräuchen kommunaler Gebäude zumeist schneller erkennen und auftretende Störungen rascher beheben.
2023 bis 2025
- Sanierung Klosterwiesenschule blaues Gebäude mit Errichtung einer PV-Anlage
Um mehr Platz zu schaffen, alle funktionalen Anforderungen zu erfüllen und gleichzeitig den Energieverbrauch des Gebäudes dauerhaft möglichst gering zu halten, wurde das blaue Haus voll saniert, angebaut und aufgestockt. Im Zuge dessen wurde das Bestandsgebäude bis auf die tragende Struktur entkernt und innen wie außen technisch und konstruktiv im Neubaustandard in Holzständerbauweise wieder hergestellt. Im Zuge wurde auch eine PV-Anlage auf dem Dach dieses Gebäudes errichtet. Die Photovoltaikanlage versorgt den Schulkomplex seit Herbst 2025 mit Strom aus regenerativer Sonnenenergie und erfüllt zugleich die geltenden gesetzlichen Anforderungen der PV-Pflicht in Baden-Württemberg. Der überschüssige Strom wird ins allgemeine Stromnetz eingespeist.
- installierte Leistung: 29,6 kWp
2024/2025
- Sanierung Bauhof/Feuerwehrhaus mit Errichtung einer PV-Anlage mit Speicher
Um den Energieverbrauch des Gebäudes dauerhaft zu senken, wurde das Gebäude in der Ziegeleistraße 20 umfassend energetisch saniert. Ende 2024 wurden das Gebäude zudem an das Nahwärmenetz der Gemeinde Baindt mitangeschlossen. Im Zuge der Sanierungsmaßnahme wurde auf dem Dach des Gebäudes außerdem eine PV-Anlage errichtet. Die Photovoltaikanlage versorgt das Gebäude seit Frühjahr 2025 mit Strom aus Sonnenenergie. Um einen Großteil des erzeugten Stroms vor Ort selbst nutzen zu können, wurde die PV-Anlage zusammen mit einem Batteriespeicher errichtet. Der überschüssige Strom wird ins allgemeine Stromnetz eingespeist.
- installierte Leistung: 16,02 kWp
- jährliche Stromerzeugung: zwischen 15.500 und 18.000 kWhh
- Batteriespeicher mit 16,65 kWh Nutzkapazität
2025
- Konzept „klimaneutrale“ Kommunalverwaltung in Baindt
Als eine der ersten kleineren Kommunen in Baden-Württemberg, hat die Verwaltung der Gemeinde Baindt eigenständig ein Konzept zur „klimaneutralen“ Verwaltung erarbeitet. Der Fokus des Konzepts liegt dabei auf einem umfassenden Maßnahmenkatalog mit zahlreichen Maßnahmen zur Energieeinsparung und Verwendung erneuerbarer Energien.
- Hausmeisterworkshop zu Energiethemen
Die Klimaschutzmanager aus den GMS-Kommunen (Baindt, Baienfurt, Berg, Ravensburg und Weingarten) und der Stadt Wangen im Allgäu, haben gemeinsam ein Workshopformat entwickelt und etabliert, bei dem sich Hausmeister und Gebäudeverantwortliche aus dem Landkreis vernetzen und zu Energiethemen austauschen können. Ziel des halbjährlichen Workshops ist es, die Hausmeister in der Region bestmöglich auf die Anforderungen eines effizienten Energiemanagements und damit einer dauerhaften Einsparung von Energie vorzubereiten sowie nachhaltige Maßnahmen gemeinsam voranzutreiben.
Nachdem zum Auftakt im Mai 2025 ein spannender Blick hinter die Kulissen des Kultur- und Kongresszentrums in Weingarten gewährt wurde, ging es Ende November 2025 beim zweiten Workshop in Wangen, um das im Winter besonders wichtige Heizungsthema. Die Veranstaltung wird seither halbjährlich an wechselnden Orten fortgeführt.
2026
- Neue energieeffiziente LED-Leuchten in Schenk-Konrad-Halle eingebaut
Um den Stromverbrauch der Schenk-Konrad-Halle dauerhaft zu verringern, damit Kosten zu senken sowie einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, wurde im März 2026 von einem Fachunternehmen im Obergeschoss der Halle die Beleuchtung modernisiert. Um die bisherige Optik beizubehalten, wurden dabei in der Halle die neuen Leuchtmittel in die bestehenden Fassungen eingepasst.
Statt den bisher verbauten Leuchtmitteln mit 150W, verbrauchen die neuen LED-Leuchtmittel mit lediglich 28W bzw. teils 19W, nur noch einen kleinen Bruchteil gegenüber den alten Leuchtmitteln. Damit kann der Stromverbrauch der Innenbeleuchtung der Schenk-Konrad-Halle dauerhaft um über 80 Prozent reduziert werden.
- PV-Anlage Sporthalle
Errichtung einer PV-Anlage auf dem Dach der Sporthalle. Neben der Versorgung des Schulkomplexes mit Strom, soll diese Anlage zukünftig vor allem die angedachte Wärmepumpe der Heizzentrale des Wärmenetzes mit Strom aus regenerativer Sonnenenergie versorgen. Der überschüssige Strom wird ins allgemeine Stromnetz eingespeist.
- installierte Leistung: 200,2 kWp
- jährliche Stromerzeugung: voraussichtlich ca. 200.000 kWh







