100 Jahre Wasserversorgung in Baindt
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, das Wasser kommt aus dem Wasserhahn - bei uns ist das heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Unser Leitungswasser hat eine hervorragende Qualität und kann bedenkenlos getrunken werden. Wir beziehen unser gesamtes Wasser in der Gemeinde Baindt seit Dezember 2006 aus den Quellen des Weißenbronnens bei Wolfegg.
Wie war es früher ?
Aus der Satzung des Wasservereins Baindt e.V., der dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert, ist folgende Geschichte zu lesen:
Am 10. Januar 1909 haben sich eine Anzahl Bürger der Gemeinde Baindt zu einer Genossenschaft vereinigt, mit dem Zweck , die Anwesen von Baindt, Marsweiler, Schachen, Mehlis, Wickenhaus und Friesenhäusle mit Hochdruck- bzw. Quellwasser zu versehen.
Zu diesem Zweck erklärten sich die Gebrüder Locher vom Lampertshof von Marsweiler nach längerer Verhandlung bereit, ihr Wasserrecht an der Quelle ostwärts der Bundesstraße 30 im Staatswald Abt. Bunnenstube, Flurstück Nr. 140/1 der Wassergenossenschaft gegen Entschädigung abzutreten. Das Königliche Forstamt Baindt gab hierzu am 25. April 1909 seine Genehmigung.
Nachdem alle technischen und sonstigen Bedingungen gegeben und erfüllt waren, wurde mit dem Bau der Wasserversorgungsanlage im Frühjahr 1909 begonnen. Als aber die Leitung fertig und im Gebrauch war, wurde festgestellt, dass die Wasserschüttung der Locher`schen Quelle zu großen Schwankungen unterworfen war und die Wassermenge zur Versorgung vorgenannter Anwesen nicht ausreichte. Deswegen wandte sich die Wassergenossenschaft an den damaligen Besitzer des „Größeren Egelsee“ Müllermeister August Schrott von Baindt mit dem Ansuchen, der Wassergenossenschaft das Wasserrecht aus der kleineren Egelseequelle auf dem Flurstück Nr. 257 abzutreten, bzw. zu verkaufen. August Schrott gab darauf schriftlich die Einwilligung zur Fassung der Quelle und Ableitung des Wassers und das Königliche Forstamt Baindt gab am 29. Mai 1909 die Genehmigung dazu.
Nachdem die Zahl der Wasserabnehmer größer wurde und auch sehr
viele Wassermotoren angeschlossen waren, wurde das Wasser zeitweise sehr
knapp und man stellte wiederholt fest, dass die „Locher`sche Quelle“ in
der Wasserschüttung sehr schwankte. Hierwegen wandte man sich an das
Königliche Forstamt mit der Bitte, für den Quellwasserausfall anderes
Wasser beschaffen zu wollen, worauf Herr Oberforstmeister Fischer auf die
große Egelseequelle auf dem Staatsflurstück Nr. 312 verwies, an
der Müllermeister August Schrott das Wasserentnahmerecht hatte. Nach
mehreren ergebnislosen Verhandlungen erklärte die Genossenschaft, dass
ihr die Abtretung eines halben Sekundenliters genüge. Schrott erwiderte
jedoch darauf am 9. Februar 1915, dass er nicht gewillt ist, einen halben
Sekundenliter abzutreten, dagegen bereit sei, den ganzen Egelsee samt dem
Wasserrecht aus der Quelle um 18.000 Mark zu verkaufen. Es kam jedoch keine
Einigung zustande und nach wiederholten Verhandlungen mit dem Königlichen
Forstamt, anderes Wasser beschaffen zu wollen, verwies dieser immer wieder
auf die große Egelseequelle.
Nach dem ersten Weltkrieg im Jahr 1919 sah sich die Wassergenossenschaft
alsdann finanziell im Stande, den Egelsee samt dem Wasserrecht aus der zweiten – der
sogenannten größeren Egelseequelle – zu erwerben und verhandelt
deshalb mit Müllermeister August Schrott weiter, worauf am 18. Februar
1919 ein Kauf zum Preis von 32.000 Mark zustande kam.
Im Februar 1930 bot Müllermeister Schrott der Wassergenossenschaft auch
das „Stockweiherle“ zum Kauf an. Der Kauf kam darauf am 28. April
1930 zustande zum Preis von 4.750,-- RM und Übernahme der Kaufkosten.
Nachdem jedoch die Gemeinde Baindt weiter im Wachsen begriffen war und die
Nachfrage nach Wasser größer wurde, war die Wassergenossenschaft
darauf bedacht, der Wasserversorgungsanlage noch weiteres Quellwasser zuzuführen.
Es wurde deshalb wiederum mit dem Staatlichen Forstamt Baindt bzw. der Württ.
Forstdirektion verhandelt wegen der Abtretung des Wassers aus der Schanzweiherquelle.
Unter annehmbaren Bedingungen wurde alsdann im November 1949 das Recht der
Entnahme des Wassers aus der Schanzweiherquelle durch die Forstdirektion
gewährt und im Frühjahr 1950 wurde die Quelle gefasst und abgeleitet.
So konnten die Abnehmer genügend mit Wasser versorgt werden. Als jedoch
der Wohnungsbau weiter voranschritt und hierfür in der Gemeinde einige
Baugebiete aufgemacht wurden und laufend Anträge um Abgabe von Wasser
an die Wassergenossenschaft gestellt wurden, sah sich die Wassergenossenschaft
außerstande, weiteren Anträgen stattzugeben, ohne nicht den bisherigen
Abnehmern eine genügende Wassermenge vorenthalten zu müssen. Die
Wassergenossenschaft wäre gezwungen gewesen, die Wasserversorgung nochmals
zu erweitern, was für sie jedoch eine außerordentliche finanzielle
Belastung und Härte bedeutet hätte, da sie gesetzlich nicht in
den Genuss eines Staatszuschusses kommen konnte.
Deshalb trat die Gemeinde, die für ihre Bürger für Wasser zu sorgen hat, an die Wassergenossenschaft heran, mit dem Antrag, die Wasserversorgungsanlagen samt den Quellrechten an die Gemeinde abzutreten.
Nach längeren Verhandlungen wurde am 16. Februar 1960 der Vertrag geschlossen, wonach die Wassergenossenschaft die Wasserversorgungsanlagen samt den Quellrechten um die Ablösung der noch bestehenden Darlehensschuld von DM 7.700,- und Gewährung von freiem Wasser nach einer festgesetzten Pauschalmenge auf 35 Jahre an die Genossenschaftsmitglieder, welche seit Gründung der Wassergenossenschaft mit Grund und Boden hafteten, an die Gemeinde Baindt übergab.
Die Gemeinde Baindt betrieb die Wasserversorgung seit der Übernahme von der Wassergenossenschaft bis zum 31.12.2006 in Eigenregie. Seit 01.01.2007 ist der „Zweckverband Wasserversorgung Baienfurt-Baindt“ für die Wasserversorgung zuständig. Diese Zusammenarbeit der Gemeinden Baindt und Baienfurt im Bereich der Wasserversorgung beschert beiden Gemeinden Synergieeffekte im Betrieb und zudem nennenswerte finanzielle Vorteile.
Namens der Gemeinde, des Gemeinderats, der Gemeindeverwaltung und der Bürgerschaft gratuliere ich dem Wasserverein zum 100-jährigen Bestehen.
Trinken wir ein Glas - Leitungswasser – auf unser aller Wohl.
Elmar Buemann
Bürgermeister
Fundamt
Es wurden folgende Fundsachen abgegeben:
1 einzelner Schüssel
1 Schüsselring
1 Schlüsselband (mit 2 Bänder)
einige Fahrräder



